52Games #17 – »Fuuuuuu«

Ein dickes, fettes »Fuuuuuu« geht raus an Max Payne 3, einer der schlechtesten Third-Person-Shooter, den ich in den letzten Jahren spielen durfte. Seit Ankündigung war die Vorfreude auf das Spiel von einer dichten Schwade Skepsis überschattet. Mehr als eine leichte Neugier gab es nicht und deshalb habe ich Max Payne 3 nicht gekauft, sondern einfach aus der Videothek ausgeliehen. Schon nach der Hälfte des Spiels war ich um diesen Umstand sehr froh, denn das Fuuuuuu wäre noch um einiges stärker und größer ausgefallen, hätte ich für diesen Schund den Vollpreis bezahlt. Mir war klar, dass es einen dritten Teil einfach nicht mehr brauchte, aber andere sahen das wohl anders.

Zu seiner Zeit mochte ich die ersten beiden Teile sehr gern. Letztens spielte ich nochmal kurz in Max Payne 1 rein, musste es dann aber aus hier beschriebenen Gründen leider vorzeitig abbrechen. Dieser Teil hatte einfach seine Zeit, heute funktioniert er für mich nicht mehr ganz so gut, aber ich glaube Teil 2 hätte noch wirklich gute Chancen. Das einzige, womit der dritte Teil bei mir Punkten konnte, waren die Soundkulisse und die altbewährten Actionspielereien wie Bullet Time und Shootdodgen. Das wars dann leider schon. Wer jetzt kommt und meint: »Ja, für ’ne Schiessbude braucht man doch nicht mehr«, der mag zwar irgendwie richtig liegen, nur war Max Payne immer schon etwas mehr als eine reine Schiessbude wie z.B. Killzone, ohne viel Story und Substanz. Bei Max ging es immer noch um etwas mehr: Seine tote Frau, seine tote Tochter, Selbstjustiz, Rache, Trauer, Depressionen, Liebe, Hass, Sex und Mona. Die ersten beiden Teile von Remedy waren emotional, Teil 3 jedoch triefte nur so vor Oberflächlichkeiten.

Die Story besteht im Grunde genommen nur aus einem 08/15 Latino-Mafiagedöns an verschiedenen Schauplätzen, vom schönen New York bis hin zum durchaus glaubhaften Brasilien-Setting. Nur ist das ja heute keine wirkliche Ausnahme mehr, überzeugende Schauplätze haben wir doch schon häufiger gehabt. Max ist jetzt ein gealteter Bodyguard, dessen einzige Beziehung die ihm geblieben ist, seine Whiskey-Flasche zu sein scheint. So gut wie alle Haupt- bis Nebenfiguren in diesem Teil bleiben schrecklich blass und unnahbar. Max baut zu keinem Charakter eine ernste Bindung auf, egal in welcher Form. Aber klar, die Action ist perfekt, den Rest braucht man ja nicht, vor allem nicht im Multiplayer. Kurz gesagt, wird hier eine schlechte Story ganz gut erzählt und ich glaube Max ist – wie schon damals – in Sachen Spielbarkeit doch eher etwas für Maus und Tastatur.

Leider ist es am Ende wirklich egal, auf welcher Hardware man Teil 3 spielt: Die Story wird nicht besser, Max und die Nebencharaktere nicht deeper und das Gesamtpaket nicht runder. Ist dieses Mal halt doch nur ’ne Schiessbude ohne alles. Sehr traurig und tjo, »Fuuuuuu« sag‘ ich nochmal.

Zockwork Orange riefen zum tollen Projekt 52Games auf, an dem ich mich mit diesem Text über das siebzehnte Thema »Fuuuuuu« beteilige.