Sound of Metal

Bewertung: 4 von 5.

Sound of Metal hatte ich überhaupt nicht auf dem Radar, bis er nun neu bei Amazon-Prime erschienen ist. Der Drummer Ruben (Riz Ahmed) und seine Freundin Lou (Olivia Cooke) touren als Metal-Duo in ihrem eigenen Wohnmobil durch die USA. Sie spielen abends in lauten, kleinen Clubs ihre Gigs und haben die Musik und ihre Auftritte zu ihrem Lebensmittelpunkt und Hauptverdienst gemacht. Direkt zu Beginn des Films wird deutlich, dass beide Charaktere ihre Schwierigkeiten haben, sich aber gegenseitig versuchen Halt zu geben. Es ist ein Leben auf dem Drahtseil.

Die gesamte Existenz der beiden wird auf einen Schlag verändert, als Ruben plötzlich durch einen Hörsturz sein Gehör verliert. Musik, Gespräche, Geräusche – alles ist dumpf und mit einem Rauschen überlagert. Der Zuschauer wird direkt in die Verzweiflung und Angst von Ruben mit einbezogen, da Regisseur Darius Marder seinen Film mit Hilfe eines AudioTracks erzählt, der uns das hören lässt, was Ruben wahrnimmt. Auf diese Weise spürte ich, wie stark die Taubheit den Betroffenen vom restlichen Leben abkoppelt und leiden lässt. Für das geniale Sounddesign des Films war Nicolas Becker verantwortlich, welcher auch schon den Sound in Gravity aus 2013 kreiert hat, den viele rückblickend in guter Erinnerung haben dürften.

Sound of Metal zeigt sehr glaubhaft die anfängliche Verzweiflung mit der Erkrankung und die vielen Probleme, die sich daraus ergeben. Gewohnte Telefonate sind nicht mehr möglich, man muss alles aufschreiben, die Taubheit zerrt an der Psyche und ein Leben als Musiker ist so kaum noch möglich. Audiovisuell ist der Film ausgezeichnet und Rubens Hörverlust bleibt durch den gelegentlich abgeschnittenen Sound immer ein fester Begleiter, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Das visuelle Design erinnerte mich etwas an The Place Beyond the Pines aus 2012. Ruben hätte der Bruder von Ryan Gosling sein können.

Riz Ahmed spielt den Erkrankten überzeugend und behält die gesamte Zeit über seine Authentizität aufrecht. Der Film hätte aufgrund seines Plots auch rührselig werden können, aber Darius Marder kreierte sein Drama sehr bodenständig und roh. Der Mittelteil wirkte mir vereinzelt etwas gehetzt und Rubens Fortschritte erschienen mir ein wenig zu sprunghaft. Das Erlernen der Gebärdensprache in dem (durchaus fragwürdigen) Gehörlosencamp wirkte zu knapp und oberflächlich, genauso wie die medizinische Behandlung als solche.

Dennoch hat mich der Film – auch wegen meines bestehenden Tinnitus in Form eines Rauschens – sehr ein- und mitgenommen sowie positiv überrascht. Die Probleme mit meinem Ohr haben mich schon bis an den Rand meiner psychischen Widerstandsfähigkeit gebracht, dass ist aber nichts im Vergleich zu dem, was Ruben erleben musste. Ich sehe den Film als nachhaltige Mahnung ohne Moralaposteltum und als ein extrem gut produziertes Porträt eines Mannes, der lernen muss, sich auf ein Leben in Stille einzustellen.


Titel: Sound of Metal
Originaltitel: Sound of Metal
Land/Jahr: USA, Belgien; 2019
FSK: 12 Jahre
Länge: 121 Minuten
Regie: Darius Marder
Screenplay: Darius Marder & Abraham Marder
Cinematography: Daniël Bouquet
Cast: Riz Ahmed, Olivia Cooke, Mathieu Amalric, Lauren Ridloff, Paul Raci

Titelbild: ©Courtesy of TIFF