8. November 2011

Das auf dem Bild dort oben sind Ronald Herrick (rechts) und Donald Herrick. Ronald spendete seinem Zwillingsbruder 1954 in Boston eine Niere und diese Transplantation war die erste mit dauerhaftem Erfolg. Donald lebte nach der Operation noch 9 Jahre, bis er leider erneut nierenkrank wurde und 1963 an einer Lungenentzündung starb. Ronald Herrick starb 2010 im Alter von 79 Jahren. Der Vorteil bei einer Transplantation zwischen eineiigen Zwillingen ist, dass keine Immunsuppression notwendig ist, da die genetischen Merkmale identisch sind.

Joseph Edward Murray, der Chirurg, der diese Operation durchführte, transplantierte auch 1956 der 21-jährigen Edith Helm eine Niere ihrer Zwillingsschwester. Edith gebar nur 1 Jahr nach der Operation ein Kind und verstarb erst 2011 im Alter von 76 Jahren. Bereits 1959 gelang Murray die erste Nierentransplantation zwischen zwei genetisch nicht identischen Personen. Der Empfänger überlebte 29 Jahre. Die Unterdrückung des Immunsystems realisierte Murray damals noch mit extrem starker Röntgenbestrahlung, wenige Jahre später entwickelte er dann mit einem Kollegen in Boston das erste Immunsuppressivum in Tablettenform.

Die erste erfolgreiche Lebertransplantation am Menschen führte 1967 der Chirurg Thomas E. Starzl in Pittsburgh, Pennsylvania durch. 1969 gelang die erste Lebertransplantation in Deutschland den Chirurgen Alfred Gütgemann und T. S. Lie in Bonn. 2011 wurden in Deutschland 1199 Lebertransplantationen durchgeführt, eine davon war meine eigene. Für eine Transplantation neu angemeldet wurden 1729 Patienten…

Kaum zu fassen, 2 Jahre ist es nun schon her. Die Blutwerte sind stabil, der Kopf ist halbwegs klar, aber der Körper macht trotzdem meistens was er will. Wir werden uns wohl in diesem Leben nicht mehr wirklich einig werden. Er will nach links, ich nach rechts und in der Mitte treffen können wir uns nur selten. Die Tabletten und ihre Nebenwirkungen fordern manchmal ihren Tribut. Bleierne Müdigkeit, Appetitschwankungen, Muskel- und Knochenschmerzen und regelmäßiger Tremor. An den meisten Tagen ist immer irgendwas, machmal ist es nur klein, ein anderes Mal etwas größeres. Ab und zu ist aber auch gar nichts, da geht es mir einfach nur gut.

Dank meinem Spender/in konnte ich dieses Jahr auch relativ sorglos verreisen. London. Es war traumhaft, aber ich merkte, wie wichtig doch regelmäßige Pausen sind. Ich bin für längere Strecken einfach nicht mehr so gut zu Fuß, ein Umstand, den ich wohl akzeptieren muss.

Es gab aber auch wieder dunkle Zeiten dieses Jahr, warum sollte das bei mir auch mal ausbleiben. Mein Vater hatte einen schweren Schlaganfall. Die Fassung zu bewahren und dann auch noch alles neben Krankenhaus und Reha zu organisieren, trieb mich dann auch wieder an tiefe Abgründe. Es flossen viele Tränen, Verzweiflung machte sich breit und das Akzeptieren des neuen Umstandes – der dauerhaft benötigten Pflege meines Vaters – fiel mir sehr schwer. Mittlerweile ist das meiste geregelt, meinem Vater geht es den Umständen entsprechend, aber ich schaue ihn fast nur noch mit besorgten Augen an.

In den letzten Jahren hat sich viel gedreht und es hat sich reichlich in mir quer gelegt – nur noch wenig ist mir wirklich wichtig. Es sind die großen Dinge, die zählen, nicht die kleinen. Gesundheit z.B. ist groß und eigentlich ist (fast) alles neben ihr klein.

Letztens hörte ich einem Vortrag eines Arztes zu und er sagte:

Fakt ist, es wird immer einen Organmangel geben, niemals werden alle wartenden Patienten ein Organ erhalten. Aber wir können es beeinflussen, wie groß bzw. wie klein der Mangel sein wird.

Wenn ich weiß, dass momentan nur jeder 3. auf der Warteliste ein Organ erhält, dann hatte ich noch wahnsinniges Glück im Unglück. Und ich hatte auch Glück, dass mein Vater noch da ist, wenn auch etwas anders als früher. Und es ist wohl auch Glück, wenn ich mich ab und an zu etwas Optimismus zwingen kann.

Lieber Spender/in, heute stecke ich für uns natürlich wieder eine Kerze an. Ich hoffe, dir geht es gut, da wo du gerade bist. Erst vorgestern dachte ich wieder intensiver an dich. Ich würde so gerne wissen, ob du ein Mann oder eine Frau gewesen bist. Ja, ich weiß, Leber ist Leber, aber warum sollte das meine Neugier auf dich schmälern? Das du ein toller Mensch warst, dass weiß ich ja bereits, aber das ist eben nicht alles, doch es muss wohl reichen. Vielen Dank! Dieser Moment gehört nur uns.

2 Antworten zu „8. November 2011”.

  1. <3

    Danke dass Du mich daran erinnerst, mir endlich mal einen verdammten Spenderausweis zu besorgen.

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    1. Ben, find‘ ich super, dass ein kleiner Mensch wie ich das bewirken kann. Es sind eben wirklich die großen Dinge. :)

      Danke <3

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