52Games #15 – »Kinder«

Als ich Max Payne 1 zum ersten Mal spielte, da fand ich das ganz toll. Und heute finde ich es eigentlich immernoch ganz toll und ein bißchen freue ich mich auch schon auf den dritten Teil, auch wenn ich nichts übermenschliches erwarte. Vor ein paar Wochen saß ich mal wieder vor meinem ranzigen PC, der funktioniert für neue Spiele ja gar nicht mehr so wirklich. Beim Rumklicken sah ich dann, dass der erste Max immernoch installiert ist und irgendwie kribbelte es mir in den Fingern, da mal wieder reinzuschnuppern. Gesagt, getan.

Dramaturgisch gesehen hatte ich Max als sehr intensiv in Erinnerung und das ist es ohne Zweifel auch heute noch, auch wenn ich nach all den Jahren schon bemerkte, dass sich so einiges gesetzt hat. Das liegt aber nicht an dem Spiel, sondern daran, dass man sich selbst einfach verändert hat. Man ist älter und sicherlich auch kritischer. Eigentlich war mir an dem Tag so, als würde ich Max nochmal durchspielen wollen. Dieses Vorhaben fand dann aber leider ein plötzliches Ende wegen einer gewissen Szene – ja, es sollte eigentlich genau DIE SZENE sein… aber das war sie dann irgendwie gar nicht.

Wie wir ja alle wissen, ist Max‘ Ritt ja deshalb so ein Ritt, weil seine Familie getötet wurde. Er will Rache, er will jeden, der an dieser Tat beteiligt war, zur Rechenschaft ziehen. Und diese Szene, in der Max nach Hause kommt und wir sehen sollen, was an besagtem Tag des Mordes in der Wohung geschehen ist, erschien mir heute dermaßen flach, dass ich es kaum fassen konnte. Wir hören seine Frau schreien, fremde Männerstimmen, Schüsse, Türen schlagen zu und das extrem laute Weinen eines kleinen Kindes. Max‘ Frau ruft nach ihm, wir irren durch die Wohnung und erschiessen nach jeder geöffneten Tür circa zwei dieser Killertypen. Die Spannung ist kaum auszuhalten, bis dann plötzlich der komplette Bruch für mich kam, mit dem ich kaum gerechnet habe.

Max betritt das Kinderzimmer und wir begreifen plötzlich, dass das laute Weinen des Babys schon ein paar Sekunden nicht mehr zu hören war. Wir sehen uns um und dann stehen wir mit Max stumm und emotionslos vor dem Babybett. Noch schlimmer ist, dass wir sogar einfach daran vorbeilaufen könnten, ohne es überhaupt zu bemerken. Es gibt an der Stelle gar keine Cutscene. Das Kind selbst, eingewickelt in eine Babydecke, sehen wir (Gott sei Dank!) nicht wirklich. Man sieht Blut am Bett und wir wissen, das Kind ist tot, erschossen, wie grauenhaft. Für mich war es grauenhaft, mein Gott, wie kann man denn ein Baby erschiessen? Für mich war die Sache klar: diese Szene wäre für mich als Autorin des Dramas der Zenit. Ein Vater findet sein ermordetes Kind, hier müsste man alle Alarmknöpfe drücken und man sollte alles komplett aufdrehen, was ein Mensch an Emotionen ertragen kann. Aber hier ist es einfach ein riesengroßes Nichts. Ich glaub es hackt Remedy!

Ulkigerweise reagiert Max beim Fund seiner Ehefrau ganz anders. Er weint, er schreit und wir sehen in illustrierten Bildern, wie er ihren toten Körper umklammert. Ich habe es nicht verstanden. Nicht, dass er um seine Frau trauert, sondern weil er es bei seinem Kind nicht tat. Schlecht geschrieben oder schlecht inszeniert, so habe ich das gar nicht mehr in meinen Gedanken gehabt. Damals bin ich nicht in der Lage gewesen, das zu erkennen. Heute brachte es mich dazu, das Spiel einfach auszumachen.

Minutenlanges, intensives Kinderweinen. Schreie, Schüsse und Blut. Scharfer Spannungsaufbau und dann eine verpuffte Offenbahrung, eine schale Konfrontation. Und das, bei einem ermordeten Kind. Das war wohl nix, Remedy.

Zockwork Orange riefen zum tollen Projekt 52Games auf, an dem ich mich mit diesem Text über das fünfzehnte Thema »Kinder« beteilige.

3 Kommentare zu „52Games #15 – »Kinder«

  1. also eine kurze Reaktion darauf gab es ja schon und im Kinderzimmer hatte er evtl. einfach noch den Hauch einer Hoffnung zumindest seiner Frau zur Hilfe eilen zu können. Klar, hätte man noch besser machen können, aber zu seiner Zeit machte Remedy in Sachen Inszenierung keiner was vor.

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