52Games #01 – »Neubeginn« mit Super Mario Land

Es muss so circa 1990 bis 1991 gewesen sein. Ich war 13 oder 14 Jahre alt, als ich mich immer nach der Schule mit ein paar Freunden im Treppenhaus eines 16-Geschossers getroffen habe, um gemeinsam »abzuhängen« – so nannte man das ja damals coolerweise. Ich war eigentlich immer die Erste beim Treffpunkt und spielte Gameboy, solange die Menschenfreunde noch nicht da waren. Der Gameboy war damals eigentlich mein bester Freund, die Anderen hätten gar nicht kommen müssen, aber das habe ich ihnen nie gesagt.

Was Nintendo damals machte, gibt es heute leider kaum mehr, zumindest empfinde ich es nur noch selten so reizvoll und motivierend umgesetzt. Auf dem SNES nannte man es Nintendo-Hard, mir ist das System ja egal, es war halt Nintendo. Jedenfalls spielte ich damals sehr viel Super Mario Land. Also fast ausschließlich. Ich spielte es so lange, bis ich es mit geschlossenen Augen konnte, ohne ein Mal zu sterben. Bis zur ersten Röhre waren es drei Sekunden Lauf, dann Sprung nach oben… JETZT… da kommt ein Stern aus dem Stein. So ungefähr funktionierte das. Aber bis das so lief, egal mit oder ohne geschlossene Augen, war es ein langer Weg. Es gab eine begrenzte Anzahl Leben, dann noch zwei Continues und wenn all das verbraucht war, fing das ganze Spiel komplett von vorne an. Und gerade am Anfang, wenn man das Spiel erlernt, waren das schmerzvolle Momente. Jedenfalls ist es in der heutigen Zeit ja für fast alle Gamer der reine Terror, wenn Checkpoints fehlen oder das Spiel gar von vorne beginnt, hat man alle Leben verbraucht. Ich stehe da ja ehrlich gesagt total drauf, zumindest meistens. Ein Neubeginn in Super Mario Land war für mich also Gewohnheit. Klar fluchte und weinte ich, aber niemals wegen dem Neubeginn. Es war einfach die Wut, weil ich es nicht schaffte und nicht, dass alles von vorne begann. Die Möglichkeit und die Chance, etwas von grundauf neubeginnen zu können oder zu dürfen, ist ein Stück Freiheit im Leben, welche man erkennen und wahrnehmen sollte. Und ich meine damit alle Lebenslagen- und Bereiche, nicht nur die Videospiele.

Einige Spiele von heute wagen sich diesbezüglich auch etwas, sind ähnlich »hard«, auch wenn ich das Wort »Continue« schon ewig nicht mehr habe aufblinken sehen. Bei Super Meat Boy oder auch den Seelen-Spielen ging es mir fast wie damals, aber nichts reichte so wirklich gegen das Treppenhaus-Feeling von einst heran. Es liegt wahrscheinlich am Alter und der Nostalgie. Super Mario Land bestand für mich immer aus vielen Neustarts, tausend verbrauchten Continues und Extraleben – auch nach dem Durchspielen. Und wenn dann kurz vor meinem nächsten Spiele-Tod die Freunde ankamen, dann dachte ich innerlich schon wieder an den nächsten Versuch und manchmal auch an Tetris.

Zockwork Orange riefen zum tollen Projekt 52Games auf, an dem ich mich mit diesem Text über das erste Thema Neubeginn beteilige.

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4 Gedanken zu “52Games #01 – »Neubeginn« mit Super Mario Land

  1. Schöner Text, vor allem das Ende. Ich kann das gut nachvollziehen, mir ging es früher ganz ähnlich. Und ein Fan von Neuanfängen bin ich auch. Super Mario Land fand ich trotzdem ganz schön schwierig und bin nie wirklich sehr weit gekommen. Super Mario Land 2: 6 Golden Coins brachte dann endlich die Speicherfunktion, und ich muss zugeben, dass ich das als 8-Jährige doch ganz erleichternd fand. ;)

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  2. Ich hatte ja damals nie einen Gameboy, den hatten nur die coolen Kinder – die waren die Stars auf dem Schulhof. Super Mario Land habe ich immer nur spielen können, wenn die mich mal gelassen haben. Besonders stolz war ich, wenn ich eine Stelle mit einem 1up gefunden hatte, die ja immer wieder kamen und man die Stelle so oft probieren konnte, wie man wollte. Soweit ich mich erinnere, war Mario Land das einzige Spiel, was wirklich JEDER hatte. Tetris lag ja dem Gameboy bei, aber das hatten manche „verbusselt“, wie wir damals sagten. Wie man das schafft… Einen Grundschul-Hipster gab es noch, der hat immer Mystic Quest gespielt. BOOAAHHH, voll öde ey, mit so rumlaufen wo nix passiert und Text, den man lesen musste.

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  3. @Kristin: Mit 8 habe ich noch in die Windeln gemacht, aber noch nicht gespielt. ^^ Mario 2 habe ich nie gespielt, ich kann dir gar nicht genau sagen warum. Da gabs ja dann auch schon ewig viel neben Mario & Co. Und ich glaube die Speicherfunktion hätte mich damals dann irgendwie gelangweilt. Außer vielleicht mit 8, haha! :)

    @Fabian: „Verbusselt“ ist echt ein niedliches Wort, ich habe es schon vergessen, aber hier sagte man das auch. Wie man Tetris allerdings verlieren kann ist mir schleierhaft. Damit hatte ich auch tausende Neuanfänge, absolut geiles Ding. :)

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