Der Android in Detroid

[Dieser Text enthält Spoiler]

Bereits im Jahr 1999 hat mir Chris Cunningham in mageren 4 Minuten eindrucksvoll gezeigt, wie sich zwei Maschinen liebkosen. Sie schlossen während des Küssens die Augen, sie umarmten sich und sie waren offenkundig losgelöst von ihrer Steuereinheit – die Lötkolben, Schraubendreher und Greifzangen drangen nicht mehr zu ihnen durch. Die beiden Roboter sahen aus wie von Milch übergossen, weißes Plastik verdeckten die Drähte und Kabel und ihre Stützstruktur glich der des Menschen. Ihre Gesichter waren glatt und sie besaßen eine weiche, lebendige Mimik – es war Björks Antlitz. Weiterlesen

Schnulzige Liebeslieder

Schnulzige Liebeslieder hören; hinlegen; über die Liebe nachdenken; versuchen die Liebe zu raffen; werde sie nicht raffen; Liebe machen; auf dem Papier; im Kopf; über Liebe singen; Selbstgespräche; Liebe aussprechen; mit Liebe essen und trinken; mich mit Liebe betrachten; im Spiegel; in Liebe an dich denken; in Liebe an mich denken; schnulzige Liebeslieder hören; Baden; über Liebe schreiben; über Liebe schweigen; über Liebe lachen; nicht weinen; vielleicht kurz; Musik lauter machen; schnulzige Liebeslieder hören; ein Lächeln; mit dir lächeln; im Kopf; Augen schließen; nicht über Liebe weinen; mein Herz betrachten; in Liebe; dich betrachten; im Kopf; mit Liebe; versuchen die Liebe zu raffen; morgen erneut; den Tag begrüßen; Liebe fühlen; erneut; schnulzige Liebeslieder hören; ich drehe mich; mit Liebe; du drehst dich; in Liebe; wir drehen uns; morgen erneut; um die Liebe.

Von Liebe und anderen Unannehmlichkeiten…

Ach je, wo fange ich bei Andromeda nur an? Ich beginne am besten wohl damit, wie ich bis vor ein paar Monaten noch allgemein zu Mass Effect stand, nachdem die Trilogie um Shepard abgeschlossen war und mein Herz damals in etliche Stücke zerbrach. Trotz der langen Rekonvaleszenzphase nach dem dritten Teil und der Rettungsversuche Bioware’s, dass Flickwerk am Ende irgendwie noch plausibel dastehen zu lassen, bin ich zugegebenermaßen darüber nie wirklich hinweggekommen. Weiterlesen

Dishonored 2

Oh, was waren die letzten Abende wieder lang. Ich hatte das zwar irgendwie auch eingeplant, denn schließlich war ich nach dem 2012 veröffentlichten Dishonored für jegliche Save’n Load-Eskapaden sensibilisiert, aber es sollte doch noch einen Zacken schärfer werden als vor ein paar Jahren. Dishonored vereint mehrere Genres und gerade der Aspekt des Schleichens und Erkundens kann hier ein ungemeiner Zeitfresser sein, vorausgesetzt, man möchte das auch so. Weiterlesen

08.11.11

Seit nunmehr 5 Jahren gibt es bei mir ein festes Ritual am 8.11:
Ich zünde gegen Abend eine Kerze an für jemanden, der oder die nicht mehr ist, jedoch lebendiger nicht sein könnte. Ich kann über diesen Menschen rein gar nichts sagen, zeitgleich aber Hunderte Buchseiten darüber füllen, wie toll ich ihn finde. Nicht, weil er oder sie besondere Talente hatte oder besonders hübsch war oder total cool und schlau. Vielmehr deshalb, weil dieser jemand und seine Angehörigen nicht nur über Selbstlosigkeit sprachen, sondern auch danach leben und lebten. Es ist genau der Mensch, an den ich immer denke, wenn ich wieder mal an unserer Spezies zweifele.

Organspende

Daughter, Columbiahalle, 14/10/16

Bei Daughter war ich im Februar ja schonmal und ich musste jetzt einfach nochmal hin. „Shut up and take my money“ sozusagen. Schöne Texte, schöne Musik, schöne Band! „Mothers“ ist ja mein heimlicher Favorit von ihnen, aber im Grunde mag ich all ihre Songs gleich. Elena’s Stimme ist einfach unverwechselbar und live absolut klar. Sehr gefühlvoll und zurückhaltend – wunderschön. Wann immer sie nach Berlin kommen, ich würde jederzeit wieder hingehen!

Kiasmos, Kesselhaus, 13/10/16

Mit Ólafur Arnalds habe ich schon die ein oder andere Liebesnacht verbracht — also nicht mit ihm, aber mit seiner Musik. Sein Ambient-Longplayer ‚For now I am Winter‘ ist einer meiner Favoriten in meiner Sammlung. Wie ihr sicher alle wisst, sind Geben und Gönnen mit die edelsten Tugenden, sie lösen bei mir Gefühle der Zufriedenheit aus und ich habe zumindest den Eindruck, als ob ich etwas schönes hinterlassen könnte. Auch wenn vieles nicht von Dauer ist, aber das Streben danach, dass es so sein könnte, löst bei mir immer wieder diese Befriedigung aus. Und genau so verhält es sich mit Arnald’s Musik. Gestern Abend war er mit seinem Projekt Kiasmos in Berlin. Damit schlägt er noch etwas flottere elektronischere Töne an als Solo, aber die Klänge sind immernoch herrlich selbstlos gebend, bisweilen auch tanzbar und dennoch beruhigend. Wenn ihr die Musik von Massive Attack und Co. mögt, dann besorgt euch das Album von Kiasmos/Ólafur Arnalds und Janus Rasmussen. Eignet sich auch super als Geschenk. Es war ein wunderbares Konzert!

Virginia

Irgendwie hatte ich Virginia gar nicht auf dem Radar. Ich bekomme in letzter Zeit spieletechnisch selten den aktuellen heißen Scheiß mit und vielleicht ist das auch ganz gut so. Ich will gar nicht wissen, was mir in jüngster Vergangenheit alles durch die Lappen gegangen ist, aber vielleicht ist es auch eher so, dass die Spiele mich finden und nicht umgekehrt. Als mir jedenfalls der Trailer ins Auge stach, fragte ich mich sofort, wann Virginia wohl erscheinen würde. Und Kruzifix noch einmal, es war doch tatsächlich der gleiche Tag. Also sofort gekauft! Weiterlesen

ABZÛ

Die namenlose Taucherfigur ist gut zu Wasser und taucht in das mit Seerosen bedeckte Gewässer hinab. Die Augen muten wach und ein wenig diebisch an und ich weiß nicht, wo sie herkommt, welche Sprache sie spricht und was uns beide erwarten wird, in dieser mir unendlich fernen Welt unter dem Meeresspiegel. In den ersten Sekunden nehme ich sattes, kräftiges Blau wahr, das Wasser wird durchbrochen von hellen Sonnenstrahlen, durch die ich sanft hindurchgleite, mit schlagenden Flossen und blubbernden Blasen. Schwimmen ist wie fliegen, nur wirkt die Welt schöner aus dieser Perspektive. Weiterlesen